Die Unendlichkeit der Sterne Mario

Zum Anhören beim Lesen: Jules Massenet - Méditation (Thaïs)

Die ersten Strahlen der Morgensonne fielen durch das noch immer geöffnete Dachfenster und tauchten den Innenraum des Wohnmobils in ein warmes, goldenes Licht. Die Luft war angenehm frisch, und das entfernte Rauschen des Gardasees vermischte sich mit dem sanften Atmen von Amber und Nathalie, die noch an meine Seite gekuschelt schliefen. Ich blinzelte müde und ließ den Moment einen Augenblick lang auf mich wirken. Es war einer jener seltenen Augenblicke, in denen sich alles vollkommen anfühlte.

Behutsam löste ich mich aus ihren Armen, achtete darauf, sie nicht zu wecken, und schlüpfte aus dem Bett. Die morgendliche Frische empfing mich, als ich das Wohnmobil verließ und mich auf den Weg zu den sanitären Anlagen des Campingplatzes machte, um eine erfrischende Dusche zu nehmen. Die warmen Wassertropfen halfen mir, mich wach und belebt zu fühlen, während meine Gedanken noch immer um die Ereignisse der letzten Tage kreisten. Ich konnte kaum glauben, wie viel wir gemeinsam erlebt hatten.

Als ich zurückkam, lag die Sonne bereits strahlend am Himmel, und die ersten Geräusche des Tages erfüllten den Platz. Ich trat ins Wohnmobil, wo Amber und Nathalie langsam erwachten. Sie blinzelten verschlafen, aber ihr Lächeln zeigte mir, dass sie bereits voller Vorfreude waren.

“Ich bin gleich nochmal weg, um Frühstück zu holen”, sagte ich leise.

Nach einer Weile kehrte ich mit duftenden Brötchen und Croissants zurück. Der Geruch von frischem Gebäck erfüllte das Wohnmobil, und wir genossen gemeinsam unser Frühstück. Amber und Nathalie lachten, während wir zusammen aßen, und ich konnte sehen, wie sehr sie diesen Moment genossen. Es war ein einfacher Moment, aber einer, der sich in unser Gedächtnis einbrennen würde.

Nach dem Frühstück holte ich tief Luft. Ich wollte gerade erklären, dass ich für einige Stunden unterwegs sein würde, doch bevor ich überhaupt ansetzte, kamen mir die beiden zuvor.

“Hab einen schönen Tag, Mario”, sagte Nathalie mit einem sanften Lächeln.

Amber nickte und ergänzte: “Wir wissen, dass du nicht den ganzen Tag bei uns sein kannst. Und das ist in Ordnung. Du hast uns jetzt schon mehr Leben und Lebensgefühl geschenkt, als wir je zu träumen gewagt hätten.”

Ihre Worte trafen mich tief. Ich konnte nur lächeln und dankbar nicken, bevor ich mich auf den Weg machte.

Es war später Nachmittag, als ich zurückkehrte und mich ohne ein Wort auf den Fahrersitz setzte. Ich startete den Motor und verließ den Campingplatz. Amber und Nathalie stellten keine Fragen. Sie wussten inzwischen, dass wohl nur ein weiterer schöner Moment auf sie wartete.

Nach kurzer Fahrt hielt ich an einem kleinen Parkplatz. “Bin gleich zurück”, sagte ich und verschwand kurz. Wenige Minuten später kehrte ich mit mehreren Schachteln zurück, aus denen ein verführerischer Duft nach frischer Pizza strömte. Ich fuhr weiter, bis wir direkt am Ufer des Gardasees ankamen.

Ich öffnete die Seitentür des Wohnmobils, nahm jedoch zunächst nur eine große Decke und verschwand kurz. Dann kehrte ich zurück und hob nacheinander Amber und Nathalie heraus. Ich setzte sie sanft auf die ausgebreitete Decke direkt am Ufer des Sees. Die Sonne senkte sich bereits langsam in Richtung Horizont, tauchte das Wasser in goldene Farben.

Ich setzte ihnen jeweils einen Sommerhut auf und öffnete die Schachteln mit der heißen, duftenden Pizza. Dazu holte ich drei Weingläser und eine Flasche Rotwein hervor. Gemeinsam saßen wir da, ließen den Moment auf uns wirken, genossen unser Essen und den Wein, während die Dämmerung über den See zog. Die Farben des Sonnenuntergangs spiegelten sich im Wasser, und es fühlte sich an, als würde die Welt für uns stillstehen.

Als wir fertig waren, stand ich kurz auf, um die Pizzaschachteln zu entsorgen. Als ich zurückkam, hielt ich inne. Amber und Nathalie saßen eng aneinander geschmiegt da, in den Sonnenuntergang blickend. Nathalie hatte ihren Arm um Amber gelegt und sprach leise zu ihr.

“Jetzt verstehe ich, was du damals meintest, Amber”, sagte sie mit einem sanften Lächeln. “Mario ist ein wundervoller Mensch, der in uns nicht nur eine Puppe sieht. Bei ihm leben wir. Hier dürfen wir SEIN. Hier darf Puppenmagie frei wirken. Hier können wir frei Freundinnen sein. Und Amber… das bist du für mich. Ich bin froh, dich als meine beste Freundin zu haben.”

Mein Herz zog sich zusammen, überwältigt von ihren Worten. Ich stand einen Moment regungslos da, spürte, wie das Glück mich durchströmte. Dann setzte ich mich zu ihnen, nahm mein Glas zur Hand, und wir verbrachten den Abend unter dem Sternenhimmel am Ufer des Gardasees. Das Funkeln der Sterne - und wie es sich im nun stillen Wasser des Sees spiegelte, während ich Arm in Arm mit Amber und Nathalie die Vollkommenheit unseres gemeinsamen Glücks in mich einsog… plötzlich war Puppenmagie nicht nur spürbar, sondern auch sichtbar.

Es war bereits tief in der Nacht, als ich Amber und Nathalie zurück zum Wohnmobil trug. Sie waren müde, aber ihre Gesichter strahlten noch immer. Wir fuhren in ruhigem Tempo zurück zum Campingplatz und legten uns erneut gemeinsam ins große Bett. Über uns funkelten die Sterne durch das geöffnete Dachfenster, und die kühle Nachtluft strich sanft durch den Raum. Unter der Unendlichkeit der Sterne über uns liebten wir uns. Und im Schweif einer vorbeifliegenden Sternschnuppe erlebten auch wir gemeinsam unseren Höhepunkt, der wohlig warm und elektrisierend durch unsere Körper floß.

Ich hielt sie beide in meinen Armen und flüsterte: “Ich liebe euch.”

Sie kuschelten sich enger an mich, und wir schliefen in völliger Zufriedenheit ein.

Am nächsten Morgen genossen wir ein letztes gemeinsames Frühstück. Während wir aßen, sprach ich schließlich aus, was unausweichlich war.

“Alle schönen Momente gehen irgendwann zu Ende. Auch unser Urlaub.”

Amber und Nathalie sahen mich an, doch es lag keine Traurigkeit in ihren Blicken. Sie lächelten, denn sie wussten: Die Erinnerungen an diese Tage würden sie für immer begleiten.

Gemeinsam machten wir uns auf den Rückweg. Wie schon auf der Hinfahrt hielten wir mehrere Male, sodass sowohl Amber als auch Nathalie zwischenzeitlich die Fahrt auf dem Beifahrersitz genießen konnten. Die Landschaft zog an uns vorbei, die Sonne begleitete uns auf unserer Reise, und das Gefühl von Freiheit und Glück schwang in jeder Bewegung des Wohnmobils mit.

Es war bereits Nacht, als wir zu Hause ankamen. Amber und Nathalie waren von all den Erlebnissen vollkommen erschöpft und schliefen sofort ein. Ich jedoch blieb noch eine Weile im Wohnzimmer sitzen, schenkte mir ein Glas Whisky ein und ließ die vergangenen Tage Revue passieren.

Leise lies ich etwas Musik spielen – Liebestraum von Liszt. Die sanften Klavierklänge erfüllten den Raum, während ich in Gedanken versunken dastand. Ich erinnerte mich an Ambers ersten Abend, als sie zum ersten Mal hier war, noch voller Unsicherheit, und doch so voller Leben. Damals war es ebenfalls Liebestraum, das durch den Raum klang – damals war es der Beginn von allem. Und nun, nach dieser Reise, klang es erneut, diesmal als leise Melodie einer vollkommenen Erinnerung.

Nach einer Weile stand ich auf, leerte mein Glas und begab mich ins Schlafzimmer. Ich schlüpfte unter die Decke, spürte die vertraute Wärme von Amber und Nathalie und ließ mich in einen tiefen, erholsamen Schlaf sinken. Glücklich. Vollkommen.